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Sie zeigt längst nicht mehr nur die Welt wie sie anderswo ist: In Teilen der USA und Asiens und wahrscheinlich eines Tages auch bei uns!

Außerdem ist sie natürlich schon viele Jahre nicht mehr nur die Zusammenrottung einer Handvoll „Bloßfüßiger“, die „ohnehin niemand ernst nimmt“ wie ein ORF Mitarbeiter in den Oberösterreichischen Nachrichten kürzlich von den misogynen Anfängen des Festivals berichtete. Was 2016 ein misslungener Scherz ist, war 1979 wohl noch ernst gemeint. (Und so bekommt man beim Zeitunglesen wieder einmal vorgeführt wie sich dieses Linz früher einmal anfühlte: Die nicht „Offene Stadt“. „A place not to be.“ (Dieser Wortwitz bleibt den Gästen der diesjährigen Prix Gala vorbehalten)

Nein, ich bin deswegen ein Fan der Ars Electronica weil es ihr in angeblich „widersprüchlichen Zeiten[1] stets gelingt, nahezu widerspruchsfrei zu bleiben. Darin ist sie ein konsequenter Spiegel unser Zeit. Zeitgemäßer Ausdruck eines Pluralismus, in dem beinahe alles seinen Platz hat – und zu Recht. Und dies ist keine Kritik – sondern Feststellung!

Die Ars Eelctronica führt nahezu alle Erwartungen, Hoffnungen, Entwicklungen, Tendenzen, Gefahren, Ängste … die um „Kunst, Technologie und Gesellschaft“ kreisen zu einer Art Gleichungskette zusammen.

In der Tat scheint es überhaupt keinen Widerspruch mehr zu geben – zwischen Kunst und Kommerz und Industrie und Leben und Technologie und Gesellschaft und Alternativgesellschaft … so weiter.

Wer rümpft denn noch die Nase wenn 100 elektrisierte Drohnen im Namen von Kunst und Innovation zur Musik nicht bloß bunte Lichter in den Linzer Nachthimmel zaubern – sondern auch den (wenn auch ein wenig verhutzelten) Schriftzug „INTEL“. Allenfalls liest man in den “Sozialen Medien” die Klagen über die angeblich schlechte Akkustik einer Klangwolke, die 2016 als “Sparkasse Klangwolke” einer jeden Kritik wenn schon nicht den Riegel so doch einen Schleier vorschiebt. Man rät zur Verbesserung. Partizipation ist Marktforschung. Man fordert mehr Lautsprecher. Mehr Licht. Man nimmt hin, was es  IST. Aber lasst es uns nur noch besser sehen und hören. Nehmt nicht hundert – sondern 1000 Drohnen!  Man akzeptiert schweigend, was vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. “Linzer Klangwolke feiert 50 Jahre JKU”. “Freiheit der Wissenschaft” und oder neben oder vielleicht doch gegen (natürlich nicht!) “Freiheit der Kunst”.

Sicher! Ein Paar ewige Nörgler aus den Milieus der prekarisierten und (selbst)marginalisierten Alternativ- und Gegenkulturen werden es wohl wieder nicht lassen können. Pfui! Aber auch das wird einmal vorbei sein. (Schon hat in der Zeitschrift „Versorgerin“ die widerständige Netzkulturinitiative „Servus“ eine erste wenn auch vorsichtige Lanze für Pokemon-Go gebrochen.[2])

Die Nicht-Unvereinbarkeit. Das Prinzip der Reihung statt Provokation. Addition statt Dialektik … Man muss sich die postcity – post wie poʊst – als eine zutiefst “postmoderne Stadt” vorstellen. An der Oberfläche ist schlechthin alles gleich. In der Nacht sind alle Katzen und Extreme schwarz. Eine andere Fassade ist möglich.

Wer heute noch die Ars Electronica dafür kritisiert, sie bringe zu viel Spaß und zu wenig Ernst, zu viel industriellen Fortschritt und zu wenig fortschrittliche Politik, zu viel Spiel und zu wenig Kunst …. der hat es noch immer nicht verstanden … oder will nicht verstehen … aber was wären die Alternativen?

Etwa ein fürchterlich elitäres und aus der Zeit gefallenes Medienkunsttechnologiehackergathering für die „Bloßfüßigen“ des 21. Jahrhunderts, die sich niemals oder vielleicht nur noch nicht „an den Markt verkaufen“, den „Alchemisten“ einer radikalen Gegenkultur zur ubiquitären digitalen Allgemeinkultur, in ungebügelten T-Shirts auf denen steht: „GEGEN ALLES“?

Nein. Die Ars Electronica – wie sie ist – sie ist alternativlos. Und keineswegs nicht nur die Ars Electronica.

In der „digitalen Sphäre“ – und mir scheint zunehmend auch im Rest vom wirklichen Leben – ist das Widerständige gerade dabei obsolet zu werden.

Die „digitale Sphäre“ ist heute im Grunde alles das, was sie – zum Beispiel in meinen Augen – (oder meinen und deinen in unserer gemeinsamen „Bubble“) – niemals hätte sein dürfen. Sie verkauft alles und jeden und ist selbst verkauft. Sie macht selbst aus jenen, die es vielleicht nie sein wollten, selten „Alchemisten“ sondern in der Regel „Gaukler“, wie das kaum der Kapitalismuskritik verdächtige „brand eins“ (04/2016) über „Blogger, die ihr Geld damit verdienen, anderen Bloggern beizubringen, wie sie vom Bloggen leben könnenkürzlich schrieb.

Millionen Reiseblogs, Selbstfahrende Autos, Roboter, Fabriken ohne Menschen und Menschenfabriken, kein „linker“ oder „rechter“ oder „dritter“ Weg scheint in absehbarer Zeit mehr daran vorbeiführen.

Mehr als 2000 Mamabloggerinnen allein in Deutschland: Das sind dann “Kleine Geschichten aus dem Leben und dazu süße Fotos ihrer Kinder.[3] Werbung=Leben=Wahrheit=Geld. Das Leben ist weniger widersprüchlich als man denkt!

Nimm und lies im Internet! Heiliger Augustinus, in unserer Zeit wärst du wieder der Manichäer geworden, der du schon warst.

Die Zukunft? Auch bei der Prix Ars Electronica Gala hat es geheißen, man wisse nicht wie sie einmal – in 5 Jahren ! – wird. Aber, denke ich mir manchmal, was für Fragen sind denn eigentlich noch offen?

Wann wird man uns einmal „abholen“ – oder werden wir vielleicht schon 2022, wie der alte Solomon Roth, einmal freiwillig kommen? –  und wozu wird man uns dann verarbeiten? Welchen Namen wird man „im wirklichen Leben“ anstelle der „Tyrell Corporation“ finden. Roboter oder Replikanten: Werden sie einmal aussehen wie Rutger Hauer oder Sean Young – oder doch wie du oder ich – wegen der Authentizität?

[1] http://www.zeit.de/video/2016-09/5113650259001/wolfgang-schaeuble-wir-leben-in-widerspruechlichen-zeiten

[2] http://versorgerin.stwst.at/artikel/sep-2-2016-1035/servusservusat

[3] http://www.zeit.de/2016/34/mamablog-blogger-geld-verdienen-werbung-influencer-marketing

 

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Anstelle einer Inhaltsangabe. „Sie waren wie Gespenster, kaum, daß sie überhaupt einen Platz einnahmen.“ Aus: Walker Percy, Die Wiederkehr.

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„Gibt es einen Kulturjournalismus in OÖ?“ fragt Sebastian Fasthuber in der aktuellen KUPF-Zeitung.

In Fasthubers Artikel findet man natürlich einmal mehr die übliche Ignoranz und – allerdings für einen Autor und Kulturjournalisten geradezu beschämende – Unwissenheit gegenüber den angeblichen „Nischenmedien“. In der Regel überhaupt nicht wohlgesinnte Medien und Politiker beschreiben diese gerne auch als „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ – und meinen damit „von der Öffentlichkeit auszuschließen“. Nun, das ist wirklich eine andere Geschichte.

Als kaufmännischer Leiter von DORF TV und dem Freien Radio Freistadt weiß ich in Zahlen ziemlich genau welchen, nämlich hohen, Stellenwert „Kultur“ – und ganz besonders auch die Literatur – in unseren Programmen und auch unseren Budgets haben. Als Schriftsteller und Publizist weiß ich die qualifizierte und häufig auch überraschende und unterschätzte Öffentlichkeit einer KUPF-Zeitung, einer „Versorgerin“, einer „Referentin“, eines DORF TV … also all jener – in den Augen von Fasthuber also „Nischenmedien“ – sehr zu schätzen; und ich schätze (in allen meinen Funktionen und Rollen) – und ich kritisiere – wie Fasthuber völlig zurecht – übrigens auch – den Beitrag der „marktbeherrschenden Printmedien“.

Viel wichtiger und schon deutlich weniger lustig ist aber, dass Kulturvermittler und Kulturschaffende wie Fasthuber es offenbar noch immer nicht begriffen haben, was sie gerade an diesen angeblichen „Nischenmedien“ an Potential und „Spin“ – auch und gerade in eigener Sache nämlich! – ungenutzt für sich (und auch für andere) liegen lassen: Die Möglichkeit, die eigene kulturelle und kulturpolitische Arbeit möglicherweise ÜBERHAUPT und AUSSCHLIESSLICH medial verbreitet und zudem dauerhaft online verfügbar zu wissen, die Möglichkeit MINDESTENS in einer qualifizierten Öffentlichkeit mit seinem Schaffen, einer Haltung, einer Position, einer Meinung sichtbar, hörbar und lesbar zu sein. Die Möglichkeit, dass der (eigene) Geist überhaupt einmal und irgendwo „zur Wirkung gebracht werde“. Getreu dem Goethe’schen Prinzip – oder wies bei Musil heißt: “Man muss wirken, ehe man das Gute wirken kann“ (MoE). Oder anders gesagt: Man muss einen Stein erst einmal ins Rollen bringen. Wer dabei allein auf die „marktbeherrschenden Printmedien“ setzt hat bereits verloren.

Liebe KUPF-Zeitungs-Redaktion! Ihre werdet mir jetzt wahrscheinlich schreiben (KORREKTUR: Wie üblich werdet ihr wahrscheinlich überhaupt nicht antworten), dass Sebastian Fasthuber ja eh im letzten Absatz netterweise die „Referentin“ und die „Versorgerin“ noch mal anspricht und dass es zum Beitrag der „Freien Medien“ ja das Interview mit Elisabeth Neubacher vom Freien Radio Kirchdorf gibt. Jaja. Nun schreibt aber Fasthuber über „den Kulturjournalismus“, die „oberösterreichischen Medien“ usw. (der Untertitel kommt von euch, oder?) so dass die Kulturberichterstattung einer „Versorgerin” oder einer „Referentin“ eben nicht „eine eigene Geschichte“ (Fasthuber) – sondern EINE Geschichte ist.

 

Manchmal möchte man den „FALTER“ halb angelesen schon wieder in den Papierkorb schmeissen. Warum? Nicht, weil der FALTER in seiner Societykolumne „Falters Zoo“ wirklich exakt dieselben Gfrieser bringt wie alle anderen. (Martina K., Anton P., Desirée T. … und garantiert immer: Jeden Hollywood B, C. und D-Star, den/die es nach Wien verschlägt).

Auch nicht, weil man die zahlreichen Beiträge aus der immer stärker werdenden Rubrik „Befindlichkeitsjournalismus“ nicht mehr packt. (An die Bobo-Muttis, Tschick-im-Mundwinkel- und Bartfetischisten: Hier hat Hermes Phettberg bereits in den 90er Jahren die Latte für euch und leider auch für sich selbst eindeutig ZU hoch gelegt)

Nicht weil auch der FALTER (wie April O’Neil aus der Serie „Teenage Mutant Ninja Turtles“) immer wieder das Loblied von einer „guten Story“ als Maßstab des „guten Journalismus“ singt und sich darin fleissig übt, mal besser, mal schlechter, also am Ende auch der FALTER die „Verpackung“ über den „Inhalt“ stellen würde und dabei übersieht, dass der „Storyjournalismus“ nicht die Alternative sondern meist der kleine Bruder vom „Klickratenjournalismus“ unserer Zeit ist.

Auch nicht wegen der sicherlich in absichtlicher Ironie stets ein wenig faltigen, unfrisierten, unrasierten und irgendwie „verwutzelten“ „Autorenbilder“ neben den Artikel (der Fachbegriff ist mir leider unbekannt).

Auch nicht, weil der FALTER, der es eigentlich tun könnte und wahrscheinlich auch sollte, sich aber dennoch gegen eine „gendersensible“ Schreibweise entscheidet, und zwar im Grunde mit denselben leicht altherrenmässigen Argumenten, die möglicherweise auch Christian Ortner einfallen könnten (und bestimmt schon eingefallen sind).

Und schon gar nicht wegen der vielen nicht nur nützlichen sondern “supertollen” Szenetips mit den „besten“ und „großartigsten“ und den jede Woche immer „gerade angesagtesten“ und „geilsten“ (ja was denn noch?) Lokalen und Geschäften in Wien, in denen „irgendwas Witziges“ verkauft wird. (Wie viele dieser „angesagtesten“ Beisln und „coolsten“ Läden sind in der Zwischenzeit eigentlich Pleite gegangen? Das würde mich nämlich bei so vielen Superlativen schon langsam wirklich interessieren; genauso wie ein „Best of Menschenzoo“. An der Spitze, ich möchte wetten, Andreas Mailath-Pokorny; wo ist eigentlich der Nicholas Ofczarek zuletzt hinverschwunden?)

Jedenfalls:  Hat nun auch der FALTER erkannt, dass es Stars (solche, die es sind, und solche, die man dazu erst machen muss) braucht, um eine Zeitung zu verkaufen. Lese ich aber den FALTER wegen einem 6-Seiten Interview mit einer ehemaligen Fernsehansagerin? Wohl kaum.

Mit seinen „Rankings“, den „Superlativen“, den Chris-Lohner-Interviews und vor allem seiner verstörenden Affinität zu Leuten wie Stefan Petzner und so weiter läuft der FALTER schon langsam Gefahr, nicht mehr „auf der anderen Waagschale des Medienbetriebs“ zu liegen (Armin Thurnher, Republik ohne Würde, S. 191) sondern bald auf derselben.

Irgendjemand hat den FALTER schon einmal als „NEWS“ oder „WIENER(IN) für linke Gutmenschen“ bezeichnet. Ich kann mich nicht erinnern wer das war. Aber ich fürchte, die Person hat recht.

Aber ich verlaufe mich gerade.

Nein, nein! Wegen solcher Kleinigkeiten braucht man den FALTER nicht gleich wegschmeissen.

Es ist nämlich in erster Linie der seit einiger Zeit auffällige Fatalismus seines Chefs und Herausgebers, Armin Thurnher, der mich zunehmend irritiert.

In seinem „Kommentar des Herausgebers“ auf Seite 5 hat man viele Jahre lang (fast immer) jenen bissigen, angriffigen und weltverbesserischen Ton gefunden, über den eine bekanntlich zum Zynismus neigende Medienbranche sonst bestenfalls nur müde lächelt. Thurnher hat die Dinge hartnäckig auf den Punkt gebracht und seine Ansichten gegen jede Ironie auch hartnäckig wiederholt.

In den letzten Jahren vermisst man aber zunehmend den „Punch“ in seinen Beiträgen. Es scheint, als kritisiere und beschreibe er mittlerweile eine Welt, an deren Veränderung zum Besseren er selbst nicht mehr recht glauben mag.

Ein leiser Ton der Enttäuschung durchzieht seine Kommentare und Rezensionen (und eine heimliche Freude seine Kochrezepte). Muss man sich Sisyphos also eben doch nicht als glücklichen Menschen denken. Soll es denn am Ende wahr sein, dass “Linke” tatsächlich unglücklicher wären als “Rechte” und vielleicht irgendwann doch den Hut über ihr Engagement hauen. Thurnhers oft halbwitzige und für Laien manchmal geradezu aberwitzige Kochrezepte wirken manchmal wie die „Cocooning-Variante“ eines engagierten Publizisten, der sich zwar mit der Welt noch immer nicht abfinden mag, aber auch sieht, dass es nicht mehr besser wird.

Mindestens zwischen den Zeilen nachzulesen so zum Beispiel in Thurnhers jüngster Rezension (FALTER 8/16) zu „Kaputtalismus“ dem neuen Buch von Robert Misik. Misik, der „Indie-Popstar“ der Kapitalismuskritik versprüht selbst in Zeiten wie diesen noch ehrlichen Optimismus. Ihm nimmt man die Begeisterung für den Wandel ab. Thurnher, der sich zwar als Sympathisant dessen Ideen outet, schon deutlich weniger: „Seis drum.“ „Wir werden schon sehen wie er aussieht.“ (Anm: Der Wandel) „Die Revolution steht nicht auf dem Programm“  „Auch der Reformismus hat versagt.“

Was ist bloß los mit dem FALTER?

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