Manchmal möchte man den „FALTER“ halb angelesen schon wieder in den Papierkorb schmeissen. Warum? Nicht, weil der FALTER in seiner Societykolumne „Falters Zoo“ wirklich exakt dieselben Gfrieser bringt wie alle anderen. (Martina K., Anton P., Desirée T. … und garantiert immer: Jeden Hollywood B, C. und D-Star, den/die es nach Wien verschlägt).

Auch nicht, weil man die zahlreichen Beiträge aus der immer stärker werdenden Rubrik „Befindlichkeitsjournalismus“ nicht mehr packt. (An die Bobo-Muttis, Tschick-im-Mundwinkel- und Bartfetischisten: Hier hat Hermes Phettberg bereits in den 90er Jahren die Latte für euch und leider auch für sich selbst eindeutig ZU hoch gelegt)

Nicht weil auch der FALTER (wie April O’Neil aus der Serie „Teenage Mutant Ninja Turtles“) immer wieder das Loblied von einer „guten Story“ als Maßstab des „guten Journalismus“ singt und sich darin fleissig übt, mal besser, mal schlechter, also am Ende auch der FALTER die „Verpackung“ über den „Inhalt“ stellen würde und dabei übersieht, dass der „Storyjournalismus“ nicht die Alternative sondern meist der kleine Bruder vom „Klickratenjournalismus“ unserer Zeit ist.

Auch nicht wegen der sicherlich in absichtlicher Ironie stets ein wenig faltigen, unfrisierten, unrasierten und irgendwie „verwutzelten“ „Autorenbilder“ neben den Artikel (der Fachbegriff ist mir leider unbekannt).

Auch nicht, weil der FALTER, der es eigentlich tun könnte und wahrscheinlich auch sollte, sich aber dennoch gegen eine „gendersensible“ Schreibweise entscheidet, und zwar im Grunde mit denselben leicht altherrenmässigen Argumenten, die möglicherweise auch Christian Ortner einfallen könnten (und bestimmt schon eingefallen sind).

Und schon gar nicht wegen der vielen nicht nur nützlichen sondern “supertollen” Szenetips mit den „besten“ und „großartigsten“ und den jede Woche immer „gerade angesagtesten“ und „geilsten“ (ja was denn noch?) Lokalen und Geschäften in Wien, in denen „irgendwas Witziges“ verkauft wird. (Wie viele dieser „angesagtesten“ Beisln und „coolsten“ Läden sind in der Zwischenzeit eigentlich Pleite gegangen? Das würde mich nämlich bei so vielen Superlativen schon langsam wirklich interessieren; genauso wie ein „Best of Menschenzoo“. An der Spitze, ich möchte wetten, Andreas Mailath-Pokorny; wo ist eigentlich der Nicholas Ofczarek zuletzt hinverschwunden?)

Jedenfalls:  Hat nun auch der FALTER erkannt, dass es Stars (solche, die es sind, und solche, die man dazu erst machen muss) braucht, um eine Zeitung zu verkaufen. Lese ich aber den FALTER wegen einem 6-Seiten Interview mit einer ehemaligen Fernsehansagerin? Wohl kaum.

Mit seinen „Rankings“, den „Superlativen“, den Chris-Lohner-Interviews und vor allem seiner verstörenden Affinität zu Leuten wie Stefan Petzner und so weiter läuft der FALTER schon langsam Gefahr, nicht mehr „auf der anderen Waagschale des Medienbetriebs“ zu liegen (Armin Thurnher, Republik ohne Würde, S. 191) sondern bald auf derselben.

Irgendjemand hat den FALTER schon einmal als „NEWS“ oder „WIENER(IN) für linke Gutmenschen“ bezeichnet. Ich kann mich nicht erinnern wer das war. Aber ich fürchte, die Person hat recht.

Aber ich verlaufe mich gerade.

Nein, nein! Wegen solcher Kleinigkeiten braucht man den FALTER nicht gleich wegschmeissen.

Es ist nämlich in erster Linie der seit einiger Zeit auffällige Fatalismus seines Chefs und Herausgebers, Armin Thurnher, der mich zunehmend irritiert.

In seinem „Kommentar des Herausgebers“ auf Seite 5 hat man viele Jahre lang (fast immer) jenen bissigen, angriffigen und weltverbesserischen Ton gefunden, über den eine bekanntlich zum Zynismus neigende Medienbranche sonst bestenfalls nur müde lächelt. Thurnher hat die Dinge hartnäckig auf den Punkt gebracht und seine Ansichten gegen jede Ironie auch hartnäckig wiederholt.

In den letzten Jahren vermisst man aber zunehmend den „Punch“ in seinen Beiträgen. Es scheint, als kritisiere und beschreibe er mittlerweile eine Welt, an deren Veränderung zum Besseren er selbst nicht mehr recht glauben mag.

Ein leiser Ton der Enttäuschung durchzieht seine Kommentare und Rezensionen (und eine heimliche Freude seine Kochrezepte). Muss man sich Sisyphos also eben doch nicht als glücklichen Menschen denken. Soll es denn am Ende wahr sein, dass “Linke” tatsächlich unglücklicher wären als “Rechte” und vielleicht irgendwann doch den Hut über ihr Engagement hauen. Thurnhers oft halbwitzige und für Laien manchmal geradezu aberwitzige Kochrezepte wirken manchmal wie die „Cocooning-Variante“ eines engagierten Publizisten, der sich zwar mit der Welt noch immer nicht abfinden mag, aber auch sieht, dass es nicht mehr besser wird.

Mindestens zwischen den Zeilen nachzulesen so zum Beispiel in Thurnhers jüngster Rezension (FALTER 8/16) zu „Kaputtalismus“ dem neuen Buch von Robert Misik. Misik, der „Indie-Popstar“ der Kapitalismuskritik versprüht selbst in Zeiten wie diesen noch ehrlichen Optimismus. Ihm nimmt man die Begeisterung für den Wandel ab. Thurnher, der sich zwar als Sympathisant dessen Ideen outet, schon deutlich weniger: „Seis drum.“ „Wir werden schon sehen wie er aussieht.“ (Anm: Der Wandel) „Die Revolution steht nicht auf dem Programm“  „Auch der Reformismus hat versagt.“

Was ist bloß los mit dem FALTER?

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Verlässlicher Stimmungsbarometer zur politischen Befindlichkeit in diesem Land sind die zweiwöchentlichen Pressemitteilungen mit dem Titel „Aus der Sitzung der Oö. Landesregierung“. Darin werden die Medien und die interessierte Öffentlichkeit über die Beschlüsse, in der Regel Förderbeschlüsse, der Oö. Landesregierung informiert.

Mindestens genau so interessant, WAS innerhalb der unterschiedlichen Ressorts gefördert wird, wenn nicht gar interessanter, ist aber WORÜBER und WIE überhaupt gesprochen wird, dass man es nämlich fördert. Die augenscheinlich paritätischen Förderungen von „schwarzen“ und „roten“ Sportvereinen gehören dabei offenbar der Vergangenheit an. Man hat sie schon in den letzten 12 Jahren manchmal vermißt.

Bereits nach wenigen Monaten ein echter Klassiker ist mittlerweile die Unterstützung für den „Einbau von Alarmanlagen“. Auch wenn ich persönlich einige bittere Erinnerungen an diverse Diebstähle, Auto- und Wohnungseinbrüche in mir habe, so scheint mir die Subventionierung privater Alarmanlagen doch noch immer nicht recht nachvollziehbar; jedenfalls aber deutlich weniger im “Interesse des Gemeinwohls” als beispielsweise der “Lawinenschutz” oder die Unterstützung von “sozialökononomischen Projekten” – die ebenfalls Gegenstand der Pressemitteilung sind. 

Interessanter ist da schon, dass zur „Erhaltung der Bindung und Festigung des Gemeinschaftsgefühls“ der „Auslandsösterreicher-Weltbund“ vom Land OÖ auch heuer wieder 36.950 Euro erhält, und „um Härtefälle früherer Staatsbürger/innen und deren Kinder zu vermeiden“ eine weitere Subvention von 50.200 Euro. Dieser Verein pflegt schon länger die Erinnerung an die alte Heimat aufrecht zu erhalten – nichts Unlöbliches. Jaja. Alle Landeshauptleute unterstützen ihn dabei – also eben auch Michael Häupl (Wien) und Peter Kaiser (Kärnten). 

Die aktuellen Themen des „Weltbundes“ gehen freilich über die wichtige Frage hinaus, wo es in New York oder Kapstadt österreichisches Schnitzel und den “richtigen” Wiener Apfelstrudel zu kaufen und zu essen gibt. In der aktuellen Ausgabe von „ROTWEISSROT“, der Vereinszeitschrift, lobt Chefredakteur Günter Düriegl deshalb den widerspenstigen Salzburger Schriftsteller Karl-Markus Gauß, um allerdings gleich darauf „vor übertriebenen Pazifisten und unrealistischen Weltverbesserern“ zu warnen. (Gemeint ist allerdings nicht Gauß, sondern sind weltfremde “Gutmenschen.”) Das ganze spielt sich dann ab vor einer „Völkerwanderung von ungeheurem Ausmaß“, wo „Menschenmassen den Wiener Westbahnhof“ belagern. Womit man wieder bei der aktuellen politischen Befindlichkeit angelangt wäre. Auslandsösterreicherin des Jahres 2015 ist übrigens Benita Ferrero- Waldner

 

Dass die Aufregung um den Abriss der Linzer Eisenbahnbrücke kein Ende nimmt, regt mich auf.

Nicht weil es nicht ausgesprochen Schade wäre um diese Brücke. Sondern eher aus allgemeinen Überlegungen zum Umgang mit dem Umgang mit Architektur. Wäre da nicht eine gewisse Schieflage! Als Bauherr (oder eben Abrissherr) ist die „Öffentliche Hand“ unter Generalverdacht. Sie hat nichts zu gewinnen. Ein internationaler Architekturpreis korrespondiert in der Regel mit der gleichzeitigen und nachhaltigen Verachtung durch das misstrauische und misslaunige Volk. Und das Volk hasst die moderne Kunst und es hasst die Baukunst und insbesondere hasst es zum Beispiel nach wie vor die Hochhäuser, sofern es nicht darin wohnt, es nicht daran beteiligt ist, oder es sich nicht um eine Bank handelt und so weiter. Auch hier gäbe es seltsame Widersprüche zu entdecken.

Dieselben Leute, dieselben Zeitungen und dieselben Parteien, die als „Investoren“ zweifellos nicht mit der Wimper zucken würden, zum Zwecke des Profits nötigenfalls eben auch eine Kirche ab- und niederzureissen, zum Beispiel für ein neues Fussballstadion eines drittklassigen Vereins, dieselben Leute und dieselben Zeitungen … ach, den Rest soll man sich jetzt denken.

“Erbauer werden kommen, von phantastischen Städten kommen, die bald baufällig sind und ins Nichts zurückkehren, aber deren flüchtiges Dasein im Gedächtnis aller bleiben wird.” (Henri Michaux)

 

Die Oberösterreichischen Nachrichten haben am 13. Februar 2016 wieder einmal festgestellt: Es kann so nicht weitergehen.

Damit haben sie freilich recht. Freilich, denn: Es gibt viele Gründe, sich zu ärgern. Dauernd. Täglich. Stündlich. Ich muss, für mich persönlich, allerdings feststellen, dass mich diese zahlreichen Empörungen und Aufregungen nicht mehr recht interessieren. Ja, dass sie mir, besonders als Phänomen in den sogenannten „sozialen Medien“, längst zum Hals raushängen. Kurzum: Ich habe mir meine Gedanken gemacht.

Mit dem Begriff „Politik der Gefühle“ hat der Schriftsteller Josef Haslinger 1987 den Zustand seiner Zeit und den zunehmenden Einfluß Jörg Haiders damals auf den Punkt gebracht. Heute sind wir ohne Haider und schon ein Stück weiter: Wir haben eine „Politik der Empörung“ . Weil empört ist mittlerweile jeder: Wütend auf das System und ihre angeblichen Medien, auf die Politik und die Politiker sowieso, auf den „Kapitalismus“, auf … ja, worauf eigentlich nicht? Wütend sind sie alle. Und gegen Alle. „lechts und rinks kann man velwechsern“. Tja: „werch ein illtum!“ muss man mit Ernst Jandl dazu leider sagen. Keine Differenz und viel Wiederholung. Es ist grauenhaft.

  • Man fürchtetet den Sozialabbau, den Pensionsverlust und wählt die Freiheitlichen.
  • Man ist der Meinung, dass Sahra Wagenknecht die Welt retten und die Juden (Rothschild, Soros) das verhindern wollen.
  • Man beklagt den Verlust an Freiheit und hält den Holocaust für eine Erfindung.
  • Man beklagt sich über die „faschistische Diktatur“ in Deutschland unter Angela Merkel und will Frauke Petry.
  • Man glaubt der „Lügenpresse“ kein Wort, aber „RT Deutschland“, HC Strache’s Facebook account und dem „Contra Magazin“ dafür alles.
  • Man will, dass die „Öffentliche Nehmerhand“ („Die Presse“) endlich was unternimmt und man will, dass sie endlich verschwindet.
  • Man hasst die Politiker und vergöttert die Antipolitiker, die auch Politiker sind. Und so weiter und so fort.

„Empörung“ ist der Brennstoff. Der zündet immer. Und vor allem auf einer gesellschaftlichen Seite fährt man bisweilen ganz gut damit.
Aus der Bahn! Weg da! Den vermeintlich Tüchtigen gehört die Welt. Und – aber das glauben sie ja nur selbst – jetzt auch noch den „Frustrierten“, den „Wütenden“, die gar nicht merken, wenn sie vor irgendeinen Karren gespannt werden. Wird sich die „faktische Lebensqualität“ in Wels, in Polen, in Ungarn, in … in den nächsten Jahren denn deutlich verbessern? Würde es mit HC Sprache mehr und günstigere Wohnungen geben? Wird die „Deutschpflicht“ in den Schulen das Land Oberösterreich wieder nach vorne, wieder in die „Champions League“ bringen. Oder reicht einfach nur eine gewiße hämische „Genugtuung“? Eine gewiße „Signalwirkung“. Und wie lange wird es den „Frustrierten“ genügen, daran zu glauben.

Ein Beispiel – unter vielen – wo im Nebel der „Empörung“ alle Unterschiede verschwimmen ist die Bildungspolitik. Alle sind unzufrieden. Alle sagen: So kann es nicht weitergehen. Die Botschaft, drastisch auf den Punkt gebracht und wie sie dann vermutlich auch so bei den „Leuten da draussen“ ankommt: Alles ist „Oarsch.“ Jeder ist Oasch. Die Politik versagt. Die Politiker versagen …

Dass es in der Bildungspolitik (genau so wie in der Medienpolitik, genauso wie in der Sozialpolitik, genauso wie in der Kulturpolitik, …) um fundamental gegensätzliche Vorstellungen von Gesellschaft und Staat geht, wird in der ganzen Aufgeregtheit längst gar nicht mehr wahrgenommen. Die Empörung macht – scheinbar jedenfalls – alles gleich.

Es macht aber schon einen gehörigen Unterschied, ob es in der Bildungspolitik primär darum geht, die „Besten Köpfe“ herauszupicken, die „High Potentials“, die „Talente“, die Leistungsstarken und die, die es sich leisten können. Nur ja nicht in die „Durchschnittsfalle“ gehen, sagen Leute wie Markus Hengstschläger. „Mittelmaß und Wahn“. Und wie? Man muss wohl die „Durchschnittlichen“, die „Unterdurchschnittlichen“ und die „Minderleister“ aus dem Fokus der Bildungspolitik, aus den Statistiken, aus dem System und letztlich aus der Zukunft raushaben. Wodurch aus einem statistischen Problem ein soziales wird. Und „Chancengleichheit“: Immerhin: Auch „Oliver Twist“ hat es am Ende mit Fleiß zu etwas gebracht. („Huckleberry Finn“ war übrigens ein reicher Erbe und Taugenichts)

In den 80er Jahren hat es zu dem allen den häßlichen Begriff „Zwei-Drittel-Gesellschaft“ gegeben. Zwei Drittel sind drinnen. Ein Drittel ist draussen. Aktuell sieht es aber eher danach aus: Ein Drittel drinnen, zwei Drittel draussen. Manche stellen sich die Zukunft mittlerweile schon so vor wie in „Land of the Dead“ von George A. Romero oder „John Carpenter’s Escape from L.A.“ oder (Industrie 4.0“!!!) wie in „Terminator: Rise of the Machines.“ (Ich weiß: Lustig sein wird nicht reichen.)

Zurück zur Bildungspolitik: … oder ob es darum geht, dass am Ende auch die vielbeschworenen Kevins, Vanessas und Mehmets die Chance auf ein „Leben in Würde“ (Armin Thurnhers Mantra) bekommen, obwohl sie „von zu Hause“ vielleicht unterdurchschnittlich wenig oder sogar nichts mitbekommen haben, oder vielleicht am Pausenhof unbedingt türkisch reden müssen und vielleicht mangels Vorbilder und Unterstützung möglicherweise dazu neigen, keine oder meistens die falsche Entscheidung für sich zu treffen, oder, wie es heißt, sich „mit dem Lernen ein wenig schwer tun“…

Also ob man von der Bildungspolitik erwarten kann, dass sie für einen Teil der Gesellschaft oder für eben alle da ist, ob alle in Würde, oder ein Teil in Luxus und der Rest in Angst oder Lethargie leben muss.
Ein wirklich „empörender“ Unterschied wie ich meine.