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„Ausse aus die Staudn“ Die Freien Medien haben sich mehr Sichtbarkeit und Öffentlichkeit verdient.

By on Dec 19, 2010

Gegenrede gemeinsam mit Stefan Haslinger in der November 2010 Programmzeitschrift von Radio FRO. Im Auftrag der Rundfunk und Telekomregulierung-GmbH (RTR) wurde zuletzt der Aspekt des sogenannten „Public Values“ von Freien Radios erforscht. Helmut Peissl, Petra Pfisterer, Judth Purkarthofer und Brigitta Busch haben sich einmal mehr mit dem auseinandergesetzt was die Freie Radios „leisten“ oder „zu leisten imstande sind“.
Das Ergebnis: Freie Radios (wie Radio FRO) sind bunt, vielfältig, interessant, „leisten einen wichtigen Beitrag für A.“, „erfüllen eine wichtige Funktion bei B.“ und so weiter und so fort. Das Problem dieser Studien besteht darin, dass sie zwar großartig darstellen was in den Freien Radios alles passiert (an Programm, an Ausbildungen …), dass sie aber nicht viel darüber aussagen, wie „relevant“ oder wie „wirksam“ Freie Radios tatsächlich sind, wie und ob sie überhaupt von jemanden gehört werden und falls ja, was diese Leute mit dem was sie gehört haben, dann auch noch anstellen.

Diese Frage ist berechtigt. Auch die ehrenamtlichen SendungsmacherInnen (so übrigens eine Erfahrung der StudienautorInnen) wollen ganz besonders wissen ob ihre Sendung auch ein Publikum hat. Wer hört zu? Vor solchen unverschämten Fragen der eigenen Kundschaft haben sich die Funktionäre in den Radios seit je her gerne gedrückt und den Teufel der „schleichenden Kommerzialisierung“ an die Wand gemalt.

2011 soll eine gemeinsame und großangelegte Studie der 4 oberösterreichischen Freien Radios die Reichweite und vor allem das HörerInnenpotential erstmals auch in Zahlen fassen.

Die Studie kommt zur rechten Zeit. FRO hat sich organisatorisch wieder gefangen. Das Team ist gut aufgestellt, motiviert, professionell. Auch wirtschaftlich geht’s wahrscheinlich besser denn je.

Beste Voraussetzungen also, um endlich einmal auch die bei Freien Radios traditionell verwaiste Baustelle „Hörerschaft“ anzugehen. Denn ich glaube, würde Hans Krankl jetzt schreiben, dass sich Radio FRO deutlich mehr Öffentlichkeit und Sichtbarkeit verdient hat. Der Club steht gut da. … Jetzt muss man auswärts auftreten … Wenn es wieder zu so einem Gegurke kommt, wird keiner zufrieden sein …

Will man 2011 in der geplanten „Akzeptanz und Potentialanalyse“ trumpfen, müssen schon bald die Weichen gestellt werden. Linz muss wieder spüren, dass es ein Radio FRO gibt. Und die Spieler müssen zeigen, dass sie besser geworden sind.

Und die Szene ? …
Das was hier am Beispiel Radio FRO im „kleinen“ exemplarisch abgehandelt werden kann, kann ebenso synonym für die Freie Szene in Linz allgemein stehen. Die Freie Szene Linz ist gefordert zu zeigen, dass sie nach wie vor eine relevante Größe im städtischen Kulturleben ist. Vom Kulturhauptstadtjahr gelähmt, schafft sie es im Moment nicht recht, sich wieder aufzurappeln. Und das kann nicht alleine an mangelnden Reibungsflächen liegen. Die Budgets sind unter Druck wie eh und je. Perspektiven fehlen. Und natürlich auch (wieder) die Jobs. Nach 2009 kam für viele das AMS.

Dass die Kulturhauptstadt-Intendanz der Freien Szene Selbstüberschätzung und Irrelevanz vorgeworfen hat, mag noch als polemische, unreflektierte Zwangsprovokation gewertet werden. Aber wie in vielen Märchen steckt auch hier eine Wahrheit. Schlapp, ausgelaugt und zahnlos, kommt sie einem oft vor, die Freie Szene. Kommt da noch was? Ja! Es muss.

Die Freie Szene Linz muss sich nämlich wieder sicht- und bemerkbar machen, sich in die Stadtentwicklung einmischen, sich in Diskussionen um die Ausgestaltung des öffentlichen Raums mischen, oder – noch besser – diese Diskussionen entfachen. Papierln schreiben, Facebookeln und ein wenig auf Wichtig machen, wird da nicht reichen. Allerdings. Die Politik muss nicht nur das Gefühl bekommen, dass es wichtig ist, die Szene zu fördern. Es muss für sie auch Sinn machen, das zu tun. Die Managementfuzzis unter uns wissen Bescheid: “Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.”
Die Freie Szene – und Radio FRO als ein Teil von ihr – müssen diese Stadt wieder fordern. Und nicht sich selbst unterfordern!

Von Stefan Haslinger und Otto Tremetzberger